Schlafapnoe ab 60: die Zeichen, die aufhorchen lassen
Die Redaktion von Martagon7 Min. Lesezeit

Es ist die Schlafstörung, deren Häufigkeit mit dem Alter am stärksten zunimmt, und eine von jenen, die man am ehesten etwas anderem zuschreibt. Sie zu erkennen ist nicht technisch: es geht um ein Bündel von Zeichen, von denen mehrere dem Umfeld auffallen.
Worum es geht
Im Schlaf entspannen sich die Muskeln des Rachens. Bei manchen Menschen geht diese Entspannung so weit, dass der Luftweg für einige Sekunden stark verengt oder ganz unterbrochen wird. Das Gehirn reagiert mit einem Mikro-Erwachen, die Atmung setzt wieder ein — oft mit lautem Schnarchen —, und der Zyklus beginnt von vorn, mitunter dutzende Male pro Stunde.
Die betroffene Person erinnert sich an nichts: diese Mikro-Erwachen sind zu kurz, um gespeichert zu werden. Sie stellt am Morgen nur fest, dass der Schlaf nicht erholt hat. Genau diese Diskrepanz zwischen einer Nacht normaler Dauer und einem erschöpften Erwachen sollte hellhörig machen.
Die Zeichen, bei Nacht und bei Tag
| Zeitpunkt | Zeichen | Wer es bemerkt |
|---|---|---|
| Nacht | Lautes, unregelmässiges Schnarchen mit Stille dazwischen | Fast immer das Umfeld |
| Nacht | Atempausen mit lautem Wiedereinsetzen | Das Umfeld — das spezifischste Zeichen |
| Nacht | Aufschrecken, Erstickungsgefühl | Die Person |
| Nacht | Mehrmals zum Wasserlassen aufstehen | Die Person |
| Morgen | Trockener Mund, Kopfschmerzen, nicht erholsamer Schlaf | Die Person |
| Tag | Schläfrigkeit, die sich aufdrängt: bei Tisch, beim Lesen, im Gespräch | Beide |
Keines dieser Zeichen genügt für sich — viele Menschen schnarchen ohne Apnoe. Es zählt ihre Kombination, insbesondere «beobachtete Pausen + Tagesschläfrigkeit».
Warum es sich lohnt, darüber zu sprechen
Zwei Gründe, ein unmittelbarer und ein grundsätzlicher. Der unmittelbare: die Tagesschläfrigkeit drückt auf Wachheit, Aufmerksamkeit und Fahrtüchtigkeit. Der zweite: die unbehandelte Apnoe ist in der Literatur mit Bluthochdruck und weiteren Herz-Kreislauf-Folgen verbunden.
Hinzu kommt ein praktischer Grund. Eine dem Alter zugeschriebene Schläfrigkeit führt oft zu Lösungen, welche die Lage verschlechtern — den Mittagsschlaf verlängern, ein Schlafmittel nehmen. Sedativa entspannen die Rachenmuskeln jedoch zusätzlich, was in die falsche Richtung geht.
Was in der Zwischenzeit hilft
- Auf der Seite schlafen statt auf dem Rücken: die Rückenlage begünstigt das Erschlaffen des Rachens.
- Abends keinen Alkohol: er verstärkt die Muskelentspannung im Schlaf.
- Kein Sedativum auf eigene Faust ergänzen, aus demselben Grund.
- Rauchen und Gewicht ansprechen: das sind Faktoren, bei denen ein Handeln möglich ist.
Häufige Fragen
Bedeutet Schnarchen gleich Schlafapnoe?
Nein. Viele Menschen schnarchen ohne Apnoe. Das Bild unterscheidet sich durch die Kombination von unregelmässigem Schnarchen mit vom Umfeld beobachteten Atempausen und ausgeprägter Tagesschläfrigkeit.
Ist Schlafapnoe ab 60 häufig?
Eine systematische Übersicht zur Häufigkeit in der Allgemeinbevölkerung nennt je nach Kriterien unterschiedliche Schätzungen, mit einer Konstante: die Häufigkeit steigt mit Alter und Gewicht. Bei älteren Menschen ist die Störung häufig und weit unterdiagnostiziert.
Kann ein Schlafmittel helfen?
Es geht eher in die falsche Richtung: Sedativa verstärken die Entspannung der Rachenmuskeln, also genau den zugrunde liegenden Mechanismus. Ausgeprägte Tagesschläfrigkeit gehört in die Sprechstunde, nicht in die Selbstmedikation.
Quellen
- Senaratna CV, Perret JL, Lodge CJ, et al. Prevalence of obstructive sleep apnea in the general population: A systematic review. Sleep Medicine Reviews. 2017;34:70–81. doi:10.1016/j.smrv.2016.07.002
- Ohayon MM, Carskadon MA, Guilleminault C, Vitiello MV. Meta-analysis of quantitative sleep parameters from childhood to old age in healthy individuals. Sleep. 2004;27(7):1255–1273. doi:10.1093/sleep/27.7.1255
- By the 2023 American Geriatrics Society Beers Criteria Update Expert Panel. American Geriatrics Society 2023 updated AGS Beers Criteria for potentially inappropriate medication use in older adults. Journal of the American Geriatrics Society. 2023;71(7):2052–2081. doi:10.1111/jgs.18372
- Qaseem A, Kansagara D, Forciea MA, et al. Management of Chronic Insomnia Disorder in Adults: A Clinical Practice Guideline From the American College of Physicians. Annals of Internal Medicine. 2016;165(2):125–133. doi:10.7326/M15-2175