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Martagon
Botanik

Die Türkenbundlilie, die Blume hinter unserem Namen

Die Redaktion von Martagon5 Min. Lesezeit

Blühende Türkenbundlilie auf einer Bergwiese, rosa-purpurne Blütenblätter nach oben zurückgebogen

Ein Magazin trägt selten den Namen einer Pflanze. Dieses tut es, und es schien uns ehrlich, den Grund zu erklären — was voraussetzt, zuerst die Blume vorzustellen.

Eine Bergblume mit zurückgebogenen Blütenblättern

Die Türkenbundlilie, wissenschaftlich Lilium martagon, ist eine der wenigen wilden Lilien Europas. Man erkennt sie ohne Zögern an ihren nickenden Blüten, deren sechs rosa-purpurne, dunkel gesprenkelte Blütenhüllblätter sich vollständig nach hinten einrollen — daher ihr Name, der an einen Turban erinnert.

Sie wächst auf Bergwiesen, an Waldrändern und in lichten Wäldern, oft auf kalkhaltigem Boden, und steigt in den Alpen recht hoch. Derselbe Horst kann jahrelang an derselben Stelle wieder erscheinen: die Zwiebel bleibt im Boden, die Pflanze verschwindet im Winter und kommt im folgenden Frühling zurück.

Blüten, die auf die Nacht warten

Am meisten fällt bei näherer Beschäftigung der Rhythmus der Pflanze auf. Ihr Duft verstärkt sich gegen Abend, und ihre Blüten werden vor allem in der Dämmerung von nachtaktiven Faltern besucht, die im Schwirrflug an den Nektar gelangen, ohne sich zu setzen.

Daraus erklärt sich die Form der Blüten: vollständig zurückgebogene Blütenhüllblätter geben die Staubblätter frei, die ihren Pollen im Flug auf dem Besucher absetzen. An dieser Architektur ist nichts dekorativ — alles daran hat eine Funktion.

Eine geschützte Pflanze: anschauen, nicht pflücken

In der Schweiz gehört die Türkenbundlilie zu den auf Bundesebene geschützten Pflanzenarten. Sie zu pflücken, auszureissen oder auszugraben ist deshalb keine Frage des Anstands, sondern des Rechts. Die tief liegende Zwiebel überlebt eine Verpflanzung ohnehin nicht — und die Pflanze braucht von der Samen mehrere Jahre bis zur ersten Blüte.

Die richtige Art, sie mit nach Hause zu nehmen, besteht aus zwei Handgriffen: einer Fotografie und dem Namen in einem Notizbuch.

Warum dieser Name

Wir suchten ein Wort, das nichts verspricht. Keine lateinische Wurzel für Vitalität, keine Anspielung auf wiedergefundene Jugend, keinen Gründernamen. Eine widerstandsfähige, unauffällige Bergpflanze, die jedes Jahr an derselben Stelle wiederkommt, ohne dass sich jemand um sie kümmert: das Programm passte recht gut zu dem, was wir hier tun wollten.

Die Herkunft des Wortes «Martagon» selbst bleibt umstritten. Häufig wird es mit einem alten Ausdruck für einen Turban in Verbindung gebracht, in Anlehnung an die Form der Blüten. Die Etymologie ist unsicher; die Ähnlichkeit ist schwer zu bestreiten.

Häufige Fragen

Wo wächst die Türkenbundlilie in der Schweiz?

Auf Bergwiesen, an Waldrändern und in lichten Wäldern, oft auf kalkhaltigem Boden, von der kollinen bis zur subalpinen Stufe. Info Flora, das nationale Daten- und Informationszentrum zur Schweizer Flora, veröffentlicht eine detaillierte Verbreitungskarte.

Darf man die Türkenbundlilie pflücken?

Nein. Sie gehört zu den auf Bundesebene geschützten Pflanzenarten. Sie zu pflücken, auszureissen oder auszugraben ist verboten.

Wann blüht sie?

In der Regel im Hochsommer, wobei der genaue Zeitpunkt von Höhe und Lage abhängt: je höher der Standort, desto später die Blüte.

Quellen

  1. Info Flora, centre national de donnees et d'informations sur la flore de Suisse. Fiche Lilium martagon L. www.infoflora.ch
  2. Ordonnance sur la protection de la nature et du paysage (OPN), RS 451.1, annexe 4 — especes vegetales protegees. www.fedlex.admin.ch

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