Grosse Hitze: die Handgriffe, die wirklich zählen
Die Redaktion von Martagon5 Min. Lesezeit

Hitzeperioden haben sich in der Schweiz in den letzten Jahrzehnten gehäuft, und sie treffen die Bevölkerung ungleich. Ab 65 reguliert der Körper seine Temperatur langsamer, und das Durstgefühl ist weniger verlässlich. Die offiziellen Empfehlungen bestehen aus wenigen Handgriffen, doch sie wollen früh angewandt sein.
Warum Hitze mit dem Alter stärker wiegt
Drei Mechanismen addieren sich. Das Schwitzen setzt später ein und bleibt geringer, was die Abkühlung verlangsamt. Das Durstgefühl ist abgeschwächt, sodass sich das Defizit unbemerkt aufbaut. Und mehrere häufige Medikamente — entwässernde Mittel, einzelne Blutdruckmittel, einzelne Psychopharmaka — verändern den Wasser- und Mineralstoffhaushalt.
Was die Schweizer Behörden empfehlen
Die zuständigen Bundesämter veröffentlichen jeden Sommer Empfehlungen, deren Aufbau sich nicht ändert: die Wohnung kühl halten, Anstrengung in den heissen Stunden meiden, regelmässig trinken und alleinlebende Menschen im Auge behalten.
Die Wohnung kühl halten
- Läden und Vorhänge auf der Sonnenseite schon am Morgen schliessen;
- Nachts und früh am Morgen gründlich lüften, wenn die Aussenluft kühler ist als die Innenluft;
- Wärmequellen begrenzen: Backofen, Herdplatten, unnötige elektronische Geräte.
Den Tag anpassen
- Einkäufe, Spaziergang und Gartenarbeit auf den frühen Morgen oder den späten Abend verlegen;
- Am Nachmittag kühle Orte aufsuchen — eine Bibliothek, ein Einkaufszentrum, eine Kirche, den Schatten eines Parks;
- Sich mehrmals täglich abkühlen: feuchtes Tuch im Nacken, Unterarme unter kühles Wasser, lauwarme statt kalte Dusche.
Trinken, bevor man Durst hat
Das unterscheidet die Empfehlungen für ältere Menschen am stärksten: der Durst taugt nicht mehr als Auslöser. Bei entwässernder Behandlung oder einer Herz- oder Nierenerkrankung kann die Trinkmenge Gegenstand einer genauen ärztlichen Vorgabe sein, die jedem allgemeinen Rat vorgeht.
Der wirksamste Handgriff ist kein medizinischer
Es ist der Anruf der Nachbarin. Die Bilanzen der grossen europäischen Hitzewellen heben immer denselben Faktor hervor: die Vereinsamung. Ein tägliches Telefonat mit einer alleinlebenden Person während einer Hitzeperiode, oder ein Besuch am Abend, bewirkt mehr als jede ausgehängte Empfehlung.
Häufige Fragen
Wie viel soll man während einer Hitzewelle trinken?
Mehr als üblich, und ohne auf den Durst zu warten. Bei entwässernder Behandlung oder einer Herz- oder Nierenerkrankung kann die Menge Gegenstand einer genauen ärztlichen Vorgabe sein, die jedem allgemeinen Richtwert vorgeht.
Ist ein Ventilator sinnvoll?
Er bringt Komfort, solange die Raumtemperatur mässig bleibt. Über etwa 35 Grad wälzt er heisse Luft um und hilft nicht mehr beim Abkühlen; dann werden das Befeuchten der Haut und das Aufsuchen eines kühleren Ortes wirksamer.
Welche Zeichen müssen alarmieren?
Eine neue Verwirrtheit, ungewöhnliche Schläfrigkeit, mehrere Stunden ohne Urin, starke Krämpfe oder ein Unwohlsein rechtfertigen einen sofortigen Anruf bei der Ärztin, beim Arzt oder bei der 144.
Quellen
- Office federal de la sante publique (OFSP) et Office federal de l'environnement (OFEV). Vague de chaleur et ozone — recommandations. www.bag.admin.ch
- Pro Senectute Suisse. Conseil social et prestations pour les personnes de plus de 60 ans. www.prosenectute.ch
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