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Bewegung

Medikamente und Sturzrisiko: die beteiligten Klassen

Die Redaktion von Martagon7 Min. Lesezeit

Geöffneter Wochendosierer auf einem hellen Holztisch neben einem Glas Wasser und einer Lesebrille

Unter den Sturzfaktoren hat dieser eine seltene Eigenschaft: er lässt sich ohne körperliche Anstrengung, ohne Material und ohne Gewohnheitsänderung korrigieren. Man muss ihn nur anschauen — und wissen, dass man ihn nie allein verändert.

Was die Übersichten benennen

Eine systematische Übersicht mit Metaanalyse zu sturzrisikoerhöhenden Medikamenten untersuchte die Psychopharmaka. Die Ergebnisse verbinden mit einem erhöhten Risiko: Benzodiazepine und verwandte Substanzen, Antidepressiva und Antipsychotika.

Die 2023 aktualisierten geriatrischen Referenzkriterien weisen in dieselbe Richtung: sie empfehlen, Benzodiazepine und verwandte Schlafmittel bei älteren Menschen zu vermeiden, wegen eines erhöhten Risikos für Sturz, Fraktur und Verwirrtheit bei einem als bescheiden eingeschätzten Nutzen für den Schlaf.

Die betroffenen Familien und der Grund
FamilieWarum sie auf das Gleichgewicht drückt
Schlaf- und BeruhigungsmittelHerabgesetzte Wachheit, verlängerte Reaktionszeit, Restwirkung am Morgen
Einzelne AntidepressivaBlutdruckabfall beim Aufstehen, Schläfrigkeit, Schwindel
AntipsychotikaMotorische Verlangsamung, Steifheit, tiefer Blutdruck
BlutdruckmittelBlutdruckabfall beim Aufstehen, besonders zu Behandlungsbeginn
Opioide SchmerzmittelSchläfrigkeit, Verwirrtheit, Koordinationsstörungen
Einzelne UrologikaSchwindel und tiefer Blutdruck beim Aufstehen

Wie man eine Rezeptdurchsicht angeht

Das Vorgehen heisst Medikationsüberprüfung. Es findet mit der Ärztin, dem Arzt oder in der Apotheke statt und setzt voraus, dass man vorbereitet erscheint.

  • Alles mitbringen. Rezepte, rezeptfrei gekaufte Mittel, Nahrungsergänzungsmittel, Tees: das vollständige Inventar, auch was man nicht für ein Medikament hält.
  • Sagen, was man spürt. Schwindel beim Aufstehen, weiche Beine am späten Nachmittag, Schläfrigkeit nach dem Essen: solche Einzelheiten führen weiter als eine Liste.
  • Stürze und Beinahe-Stürze melden. Ein aufgefangenes Ungleichgewicht zählt für dieses Gespräch so viel wie ein Sturz.
  • Nach dem Ziel jeder Zeile fragen. Manche Behandlungen wurden vor langer Zeit begonnen, für eine Lage, die es nicht mehr gibt.

Was das nicht ersetzt

Die Medikationsüberprüfung nimmt eine Ursache weg; sie baut keine auf. Beinkraft und Gleichgewicht bleiben das Fundament der Prävention — Bewegung ist die einzige Massnahme mit solide belegter Senkung des Sturzrisikos. Beide Wege ergänzen sich und ersetzen sich nicht.

Häufige Fragen

Welche Medikamente erhöhen das Sturzrisiko?

Eine systematische Übersicht nennt Benzodiazepine und verwandte Substanzen, Antidepressiva und Antipsychotika. Hinzu kommen über ihre Wirkung auf Blutdruck oder Wachheit einzelne Blutdruckmittel, opioide Schmerzmittel und einzelne Urologika.

Kann man ein Schlafmittel absetzen?

Das wird mit der verordnenden Ärztin oder dem Arzt besprochen und über mehrere Wochen vorbereitet. Ein abrupter Stopp führt zu Rebound-Schlaflosigkeit und Entzugserscheinungen. Die geriatrischen Kriterien empfehlen, diese Substanzen im Alter zu vermeiden — das heisst nicht, sie von heute auf morgen zu streichen.

Wer kann eine Rezeptdurchsicht machen?

Die Hausärztin oder der Hausarzt und die Apotheke. In der Schweiz ist die Apotheke die am leichtesten zugängliche Anlaufstelle für einen ersten Blick, ohne Termin.

Quellen

  1. Seppala LJ, Wermelink AMAT, de Vries M, et al. Fall-Risk-Increasing Drugs: A Systematic Review and Meta-analysis: II. Psychotropics. Journal of the American Medical Directors Association. 2018;19(4):371.e11–371.e17. doi:10.1016/j.jamda.2017.12.098
  2. By the 2023 American Geriatrics Society Beers Criteria Update Expert Panel. American Geriatrics Society 2023 updated AGS Beers Criteria for potentially inappropriate medication use in older adults. Journal of the American Geriatrics Society. 2023;71(7):2052–2081. doi:10.1111/jgs.18372
  3. Montero-Odasso M, van der Velde N, Martin FC, et al. World guidelines for falls prevention and management for older adults: a global initiative. Age and Ageing. 2022;51(9):afac205. doi:10.1093/ageing/afac205
  4. Sherrington C, Fairhall NJ, Wallbank GK, et al. Exercise for preventing falls in older people living in the community. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2019;1:CD012424. doi:10.1002/14651858.CD012424.pub2

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