Abends weniger trinken, um nicht aufzustehen: der Zusammenhang
Die Redaktion von Martagon6 Min. Lesezeit

Zwei- oder dreimal pro Nacht aufzustehen führt naturgemäss dazu, die Getränke am Abend zu reduzieren. Das ist logisch, verbreitet und selten ausreichend — weil die dominierende Ursache meist nicht jene ist, die man vermutet.
Was die Übersicht als Hauptursache benennt
Eine Übersichtsarbeit zu Häufigkeit und Ursachen des nächtlichen Wasserlassens beschreibt eine ab 60 sehr häufige Störung und unterscheidet drei Mechanismen: eine übermässige Urinproduktion in der Nacht, eine verringerte Blasenkapazität oder eine Kombination von beidem.
Beim älteren Menschen überwiegt der erste Mechanismus. Mit dem Alter flacht der Tagesrhythmus der Urinproduktion ab: die Niere konzentriert den Urin nachts nicht mehr so wie früher, und ein wachsender Teil der Tagesproduktion verlagert sich hinter das Zubettgehen. Nicht die getrunkene Menge hat sich verändert — sondern der Zeitpunkt, zu dem sie wieder herauskommt.
Die Ursachen, die man besser sucht
- Die Uhrzeit des Diuretikums. Eine am späten Tag eingenommene Behandlung verschiebt die Produktion mechanisch in die Nacht. Sie auf den Morgen zu verlegen löst das Problem manchmal allein — das wird ärztlich erfragt, nicht selbst entschieden.
- Geschwollene Beine. Die tagsüber in den Beinen angesammelte Flüssigkeit kehrt beim Hinlegen in den Kreislauf zurück und gelangt zu den Nieren. Die Beine am späten Nachmittag hochzulagern oder verordnete Kompressionsstrümpfe zu tragen, verschiebt das Phänomen vor das Zubettgehen.
- Die Schlafapnoe. Nächtliches Aufstehen gehört zu ihrem Bild, neben Schnarchen mit Pausen und Tagesschläfrigkeit.
- Prostata oder Blase. Beim Mann eine Prostatavergrösserung; bei allen eine gereizte Blase oder ein Harnwegsinfekt.
- Der Schlaf selbst. Ein zerstückelter Schlaf lässt einen Drang bemerken, der einen tiefen Schläfer nicht geweckt hätte: man steht auf, weil man wach ist, und nicht umgekehrt.
Was man versuchen kann, und in welcher Reihenfolge
Wann man es anspricht
Zweimaliges oder häufigeres Aufstehen pro Nacht, begleitende Tagesschläfrigkeit, anschwellende Beine, ungewohnter Durst, Beschwerden oder Brennen beim Wasserlassen oder ein plötzliches Auftreten: jedes dieser Elemente rechtfertigt eine Abklärung. Das gilt auch für scheinbar Harmloses — es ist eines der wenigen Symptome, bei denen die naheliegende Lösung mehr schadet als das Problem.
Häufige Fragen
Soll man abends weniger trinken, um nachts nicht aufzustehen?
Das hilft selten. Beim älteren Menschen ist die dominierende Ursache eine Verschiebung der Urinproduktion in die Nacht: die Gesamtmenge zu senken ändert diesen Anteil nicht und führt zu einem Wasserdefizit, während das Durstgefühl ohnehin abgestumpft ist.
Warum steht man im Alter häufiger nachts auf?
Eine Übersichtsarbeit zu den Ursachen beschreibt drei Mechanismen: übermässige nächtliche Urinproduktion, verringerte Blasenkapazität oder beides. Beim älteren Menschen überwiegt der erste, da die Niere den Urin nachts weniger gut konzentriert.
Wann sollte man das abklären lassen?
Ab zweimaligem Aufstehen pro Nacht, oder bei begleitender Tagesschläfrigkeit, anschwellenden Beinen, Brennen beim Wasserlassen oder plötzlichem Auftreten. Auch die Einnahmezeit eines Diuretikums gehört besprochen: sie zu verlegen löst das Problem manchmal.
Quellen
- Bosch JLHR, Weiss JP. The prevalence and causes of nocturia. The Journal of Urology. 2010;184(2):440–446. doi:10.1016/j.juro.2010.04.011
- Hooper L, Bunn D, Jimoh FO, Fairweather-Tait SJ. Water-loss dehydration and aging. Mechanisms of Ageing and Development. 2014;136-137:50–58. doi:10.1016/j.mad.2013.11.009
- Senaratna CV, Perret JL, Lodge CJ, et al. Prevalence of obstructive sleep apnea in the general population: A systematic review. Sleep Medicine Reviews. 2017;34:70–81. doi:10.1016/j.smrv.2016.07.002
- EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies. Scientific Opinion on Dietary Reference Values for water. EFSA Journal. 2010;8(3):1459. doi:10.2903/j.efsa.2010.1459